Modernisierung der SAP-Integrationsarchitektur für eine zukunftssichere S/4HANA-Transformation

1. Summary

Die Transformation zu S/4HANA ist weit mehr als die Ablösung eines ERP-Systems. Sie ist die Neugestaltung der digitalen Plattform eines Unternehmens und damit der Moment, die Architektur grundlegend neu auszurichten. Moderne Integration bildet dabei den zentralen Erfolgsfaktor. Ohne eine zeitgemäß gestaltete Integrationsschicht bleibt jedes ERP eine isolierte Insel, die ihren Wert nur begrenzt entfalten kann.

Unternehmen benötigen heute eine Integrationsarchitektur, die flexibel auf Veränderungen reagiert, Echtzeitprozesse unterstützt und Innovation ermöglicht. Ein API-basierter Ansatz, Event-Driven-Architecture und ein konsequenter Clean-Core sind dabei unverzichtbar. Wer Integration frühzeitig berücksichtigt, reduziert Komplexität, beschleunigt Projekte und schafft die Grundlage für eine nachhaltige digitale Entwicklung.

Kernaussagen:

  • Integration ist das Rückgrat der S/4HANA-Transformation. Sie verbindet Systeme, Daten und Prozesse und stellt sicher, dass neue Lösungen, Cloud-Anwendungen und Erweiterungen problemlos zusammenspielen.
  • API-basierte Integration sichert Clean Core, Agilität und Innovationsfähigkeit. APIs schaffen lose Kopplung, klare Verantwortlichkeiten und eine Architektur, die upgradefähig bleibt und schnelle Anpassungen erlaubt.
  • Frühzeitige Modernisierung reduziert Risiken und erhöht die Umsetzungsgeschwindigkeit. Eine moderne Integrationsschicht verhindert doppelte Arbeit, reduziert Abhängigkeiten und stabilisiert die gesamte Transformationslandschaft.
  • SAP BTP bildet das technologische Fundament für nachhaltige Integration. Mit Plattformdiensten wie Integration Suite, Event Mesh und Build wird ein moderner, skalierbarer Architekturrahmen geschaffen.

2. Warum Integration jetzt strategisch relevant ist

Die digitale Transformation macht Unternehmenslandschaften komplexer. Anwendungen verteilen sich über Cloud und On-Premise, Daten entstehen in unterschiedlichen Systemen, und Geschäftsmodelle verlangen nach nahtloser Zusammenarbeit. Integration ist deshalb kein rein technisches Thema, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor.

Zentrale Treiber:

  • Wartungsende: Mit dem Wartungsende von SAP PI/PO 2027 wächst der Druck, auf moderne Technologien umzusteigen. Die SAP Integration Suite hat die Reife ihre Nachfolge anzutreten.
  • Cloud und hybride IT: Die Zahl der eingesetzten SaaS-Lösungen wächst kontinuierlich. Diese Vielfalt erzeugt Integrationsbedarf, der ohne moderne Architektur schnell unübersichtlich wird.
  • Geschäftsdruck: Echtzeittransparenz, Automatisierung und durchgängige Prozesse sind in vielen Branchen Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Ohne Integration entstehen Silos und Medienbrüche.
  • Risiken in S/4HANA-Projekten: Integrationsprobleme sind oft erst spät sichtbar und zählen dann zu den teuersten Ursachen für Verzögerungen oder fehlende Qualität.

Eine moderne Integrationslandschaft reduziert technische Schulden, schafft Stabilität und bildet ein verlässliches Fundament für künftige Innovationen unter anderem im Bereich KI.

3. SAP Business Technology Platform als digitales Fundament

Die SAP Business Technology Platform vereint Integration, Erweiterbarkeit, Datenmanagement, Analytics, Automatisierung und künstliche Intelligenz in einer zentralen Plattform. Sie ist damit der Kern moderner SAP-Architekturen. Im Folgenden sind kurz die Inhalte der einzelnen Säulen der BTP erklärt und wie diese sich auf den Bereich Integration auswirken.

Zentrale Funktionen:

  • SAP Integration Suite: Bietet alle Bausteine für moderne Schnittstellen. Von Cloud-Integration über API-Management bis hin zu Event Mesh und B2B-Szenarien. Sie verbindet Systeme zuverlässig, wiederverwendbar und updatefähig.
  • Erweiterbarkeit für S4 und Integrationsszenarien: Mit SAP Build, CAP oder Kyma lassen sich Side-by-Side-Erweiterungen entwickeln, ohne den ERP-Kern zu verändern. Das ermöglicht eine klare Trennung von Standard und Anpassung. Das lässt sich auch für Integrationsszenarien nutzen, die um eigenständige Apps erweitert werden können. Oder Zwischenspeicherung von Daten lässt sich HANA Cloud verwenden.
  • Daten und Analytics: Die Business Data Cloud schafft eine einheitliche Datengrundlage und unterstützt Szenarien wie Reporting, KI oder automatisierte Entscheidungen. Für die Integration bedeutet die BDC eine erhebliche Erleichterung. Durch die SAP managed Data Products lassen sich SAP Daten mühelos integrieren und reduzieren hier den Aufwand erheblich.
  • Automatisierung: Workflow-Services und Prozessautomatisierung reduzieren manuelle Tätigkeiten und ermöglichen durchgängige Abläufe. Die in SAP Build gebauten Automatisierungen lassen sich mit den in der Integration Suite entwickelten Integrationsszenarien kombinieren. Dadurch entstehen eine Vielzahl an Möglichen Use Cases.
  • Künstliche Intelligenz: Joule und Business AI Agents ergänzen die Plattform um intelligente Funktionen, die Prozesse analysieren, steuern und optimieren. Auch die Integration Suite profitiert von den neuen AI Funktionen, die direkt in den Service mit einfließen und die Entwicklung erleichtern.

Starten, obwohl nicht alle Funktionen vollständig sind? Auch wenn die Cloudprodukte der SAP noch nicht in allen Bereichen vollständig ausgereift sind, entwickeln sie sich kontinuierlich weiter. Ein früher Einstieg erleichtert den Aufbau von Know-how und ermöglicht es, neue Funktionen zu integrieren, sobald sie verfügbar werden. Die Realität moderner Cloudlösungen, unabhängig vom Anbieter,  verlangt von uns, dass wir Architekturen und Betriebsmodelle so gestalten, dass sie flexibel auf neue Features und Änderungen reagieren können.

4. Integration als Basis der Clean-Core-Strategie

Für diese Flexibilität benötigen wir den Clean-Core-Ansatz. Außerhalb der SAP Blase ein verbreitetes Konzept, bei dem zentrale Bestandteile des Produkts nicht verändert werden dürfen. Der Clean-Core-Ansatz sorgt dafür, dass der ERP-Kern standardnah bleibt und Updates problemlos durchgeführt werden können. Integration spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie individuelle Logik, Schnittstellen und Erweiterungen aus dem ERP herauslöst.

Beitrag der Integration zum Clean Core:

  • Standardisierte APIs statt RFC oder IDoc: APIs ermöglichen lose Kopplung und klare Verantwortlichkeiten. IDocs gelten nicht als zukunftsorientiertes Integrationsmodell. Auch wenn IDoc nach Stand 09/2025 Clean Core Level B erreicht. Einen guten Beitrag dazu findet ihr hier IDOC- Clean Core
  • Side-by-Side-Erweiterungen über Standard APIs: Erweiterungen laufen außerhalb des Cores auf SAP BTP, wodurch der ERP-Standard unberührt bleibt.
  • Event-Driven-Architecture: Ereignisse entkoppeln Prozesse und vermeiden direkte Abhängigkeiten zwischen Systemen.
  • Einheitliches Monitoring: Mit SAP Cloud ALM und AIF (Application Interface Framework) lassen sich technische und fachliche Fehler transparent überwachen.
  • Weniger technische Abhängigkeiten: Eine moderne Integrationslandschaft ersetzt individuelle Kopplungslogik durch standardisierte, wieder verwendbare Bausteine.

5. End-to-End-Prozessintegration als Grundprinzip

S/4HANA ist kein isoliertes ERP-System, sondern Teil eines vernetzten Gesamtsystems aus Cloud-Applikationen, Partnerplattformen, Datenservices und Erweiterungen. Erst durch eine integrierte End-to-End-Prozesslandschaft wird die volle Leistungsfähigkeit des ERP sichtbar. Moderne Unternehmen benötigen daher Prozesse, die über Systemgrenzen hinweg funktionieren und in Echtzeit miteinander interagieren. End-to-End-Prozessintegration bedeutet, dass Daten, Ereignisse und Prozessschritte so miteinander verbunden sind, dass sie ein durchgängiges Nutzer- und Systemverhalten erzeugen.

Vorteile:

  • Harmonisierte Stammdaten: Konsistente und zentral gepflegte Stammdaten reduzieren Fehler, Nacharbeiten und Medienbrüche. Sie stellen sicher, dass alle angeschlossenen Systeme dieselbe Informationsbasis nutzen, was für durchgängige Prozesse essenziell ist. Ohne harmonisierte Stammdaten entstehen Inkonsistenzen, doppelte Pflege und inkorrekte Prozessausführungen.
  • SAP-verwaltete Integrationsartefakte: SAP liefert für viele End-to-End-Prozesse bereits Standard-Integrationsszenarien aus inklusive APIs, Events und Content Packages. Diese vorgefertigten Bausteine erleichtern Implementierungen erheblich, da sie getestet, dokumentiert und wartbar sind. Dadurch sinkt das Risiko, individuelle Lösungen bauen zu müssen, die später aufwändig gewartet werden müssen.
  • Konsistente Prozessketten: Ein Lead-to-Cash-Prozess umfasst heute typischerweise CRM, E-Commerce, Billing, Analytics, Customer Service und natürlich das ERP. Durch moderne Integration greifen diese Schritte nahtlos ineinander. Das Unternehmen erhält eine konsistente Prozesssicht und kann Engpässe, Verzögerungen und Fehler sofort erkennen und beheben.
  • Automatisierte Updates: Standardisierte, API-basierte und eventgetriebene Integration sorgt dafür, dass der Aufwand bei Releases und Updates deutlich sinkt. Anstatt Hunderte punktueller Schnittstellen zu prüfen, müssen nur zentrale Bausteine kontrolliert werden. Das erhöht die Geschwindigkeit der Release-Zyklen und minimiert Betriebsrisiken.

Durch eine konsequent gedachte End-to-End-Prozessintegration entsteht ein Systemverbund, der flexibel, skalierbar und anpassungsfähig ist und damit genau die Agilität bereitstellt, die Unternehmen für digitale Geschäftsmodelle und KI-basierte Prozesse benötigen.

6. Der Business Case moderner Integration

Eine moderne Integrationsarchitektur erzeugt nicht nur technische Vorteile, sondern messbaren geschäftlichen Mehrwert. Sie wirkt gleichzeitig in zwei Dimensionen: Business und IT. Während das Business von schnelleren Prozessen, besseren Daten und höherer Flexibilität profitiert, erreicht die IT eine stabile, standardisierte und zukunftssichere Architektur. Genau diese doppelte Wirkung macht Integration zu einem strategischen Hebel der S/4HANA-Transformation.

6.1 Business Value:

  • Schnellere Anbindung neuer Geschäftsmodelle und Partner: Ob digitale Marktplätze, Logistikpartner, E-Commerce oder IoT. Neue Geschäftsmodelle erfordern schnelle und zuverlässige Integration. APIs und Events ermöglichen es, Partnerlandschaften flexibel zu erweitern, ohne komplexe Schnittstellenprojekte zu starten. Das beschleunigt Markteinführungen und erhöht die Reaktionsfähigkeit auf neue Chancen.
  • Echtzeittransparenz über End-to-End-Prozesse: Moderne Integration sorgt dafür, dass Daten in Echtzeit fließen und nicht erst in Batchläufen am Abend oder am nächsten Tag. Dadurch können Unternehmen schneller entscheiden, Engpässe früh erkennen und operative Prozesse besser steuern. Für viele Branchen wird Echtzeittransparenz zunehmend geschäftskritisch.
  • Höhere Agilität und Reaktionsgeschwindigkeit: Wenn Integrationen lose gekoppelt und standardisiert sind, lassen sich Anpassungen schneller umsetzen. Neue Anforderungen, regulatorische Änderungen oder Optimierungen verursachen weniger Aufwand, weil der Kern nicht betroffen ist und die Integrationsschicht unabhängig weiterentwickelt werden kann.
  • Verbesserte Datenqualität und Automatisierung: Einheitliche Schnittstellenstandards, konsistente Datenmodelle und Events statt Punkt-zu-Punkt-Kopplungen reduzieren Fehlerquellen. Prozesse werden stabiler und lassen sich leichter automatisieren. Das verbessert nicht nur die Effizienz, sondern auch das Nutzererlebnis in Fachbereichen und entlang des gesamten Prozessflusses.

6.2 IT Value (ausgeführt):

  • Cloud-native Architektur, API-First und Security by Design: Moderne Integrationsarchitekturen unterstützen Prinzipien wie API-first, lose Kopplung und durchgehende Sicherheit. Dadurch wird die Landschaft zukunftssicher, skalierbar und gegen Ausfälle robuster. Ein wichtiges Fundament für alle weiteren Cloud- und Digitalisierungsinitiativen.
  • Standardisierung und Wiederverwendung beschleunigen Projekte: Wenn Integration auf standardisierten Bausteinen, wiederverwendbaren Flows und klaren Richtlinien basiert, entstehen deutlich weniger individuelle Schnittstellen. Das beschleunigt Projekte, reduziert Fehler und ermöglicht einheitliche Vorgehensweisen. Gerade in großen Transformationsprogrammen ein enormer Vorteil.
  • Reduktion technischer Komplexität durch Konsolidierung Heterogene Middleware-Landschaften, individuelle Schnittstellen und Legacy-Protokolle verursachen hohen Betriebs- und Wartungsaufwand. Die Konsolidierung auf moderne Plattformen wie die SAP Integration Suite reduziert diese Komplexität, vereinfacht den Betrieb und senkt langfristig Kosten.
  • Zukunftssicherheit und Investitionsschutz durch Standards: Moderne Integration unterstützt nicht nur aktuelle Anforderungen, sondern lässt sich flexibel erweitern. Neue Technologien wie KI, Automatisierung oder Cloud-Lösungen können schneller eingebunden werden, weil die Architektur bereits auf Offenheit, Modularität und Standardisierung ausgelegt ist.

Moderne Integration schafft eine Architektur, die sowohl das Business schneller und innovativer macht als auch die IT entlastet und stabilisiert. Sie wird damit zu einem strategischen Werttreiber, der weit über technische Aspekte hinausgeht und die Grundlage für nachhaltige Digitalisierung legt.

7. Event-Driven-Architecture für Echtzeit und Skalierbarkeit

Moderne Unternehmen benötigen Prozesse, die schnell reagieren, skalierbar sind und ohne starre Abhängigkeiten funktionieren. Klassische Integrationsmuster – insbesondere Batchverarbeitung oder synchroner Punkt-zu-Punkt-Austausch – stoßen hier zunehmend an Grenzen. Die Event-Driven-Architecture (EDA) verändert die Art und Weise, wie Systeme zusammenarbeiten, und bildet eine essenzielle Grundlage für Echtzeitfähigkeit, Flexibilität und Automatisierung.

Anstatt Systeme direkt miteinander zu koppeln, kommunizieren sie über Ereignisse, die beschreiben, was geschehen ist („OrderCreated“, „StockUpdated“, „InvoicePosted“). Dieses Muster entlastet nicht nur den ERP-Kern, sondern ermöglicht komplett neue Arten von Prozessdesign.

Warum Event-Driven?:

  • Echtzeit statt Batchläufe Ereignisse ermöglichen, dass Änderungen sofort in der Landschaft ankommen und nicht erst Stunden später. Das ist entscheidend für Geschäftsprozesse, die auf aktuelle Daten angewiesen sind, beispielsweise im Supply Chain Management, in der Fertigung oder im E-Commerce.
  • Hohe Skalierbarkeit und Resilienz Systeme sind über Events lose verbunden und müssen nicht gleichzeitig verfügbar sein. Dadurch lassen sich große Lasten besser verteilen, Ausfälle werden abgefedert und neue Systeme können problemlos angebunden werden, ohne bestehende Integrationen anzupassen.
  • Lose Koppelung und flexible Erweiterbarkeit Das System, das ein Event erzeugt, muss nicht wissen, wer dieses Event konsumiert. Neue Anwendungen, Services oder Automatisierungen können jederzeit hinzugefügt werden, ohne das sendende System zu ändern. Das macht Architekturen langlebiger und flexibler.
  • Grundlage für KI-gestützte und prädiktive Prozesse KI braucht aktuelle, qualitativ hochwertige Datenströme. Events liefern genau diese kontinuierlichen Signale. Dadurch können KI-Modelle Muster besser erkennen, schnellere Entscheidungen treffen und automatisierte Aktionen auslösen.

Technologische Basis:

  • SAP Event Mesh
  • SAP Advanced Event Mesh
  • Standardisierte Business Events in SAP-Systemen

Durch Event-Driven-Architecture entsteht eine Integrationslandschaft, die dynamischer, robuster und anpassungsfähiger ist als klassische Integration. EDA trägt wesentlich dazu bei, Clean Core einzuhalten, Systeme modular aufzubauen und digitale Innovationen zu realisieren. Von Automatisierungen bis hin zu intelligenten Empfehlungen und autonomen Prozessen.

8. Künstliche Intelligenz in der Integrationslandschaft

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Fachprozesse, sondern zunehmend auch die Art und Weise, wie Integrationsarchitekturen entwickelt, betrieben und optimiert werden. Während Integration früher vor allem technische Anbindung bedeutete, wird sie heute zu einem intelligenten Netzwerk aus Daten, Ereignissen und Automatisierungen. KI verstärkt diese Entwicklung, indem sie Komplexität reduziert, Muster erkennt und Routineaufgaben automatisiert.

Die SAP Integration Suite integriert erste KI-Funktionalitäten bereits nativ in die Plattform. Auch wenn diese Funktionen noch in der frühen Phase sind, zeigen sie klar den Weg: Integration wird zunehmend autonomer, effizienter und selbstoptimierend.

Funktionalitäten:

  • Automatische Vorschläge für Integrationsflows: Beschleunigen Design und Entwicklung.
  • KI-basiertes Mapping: Spart manuelle Transformationsarbeit.
  • Anomalieerkennung: Macht Betriebsprobleme früh sichtbar.
  • Automatisierte Dokumentation: Vereinfacht Wissensmanagement und Governance.
  • Joule-Agents: Unterstützen End-to-End-Prozesse durch intelligente Orchestrierung.

KI wird Integrationsentwicklung nicht „ersetzen“, aber sie wird Integrationsarbeit deutlich verändern. Wiederkehrende Aufgaben wie Mapping, Monitoring oder Fehleranalyse werden zunehmend automatisiert. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten der Prozessoptimierung, weil KI in Echtzeit auf Ereignisse, Daten und Muster reagieren kann.

Durch die Verbindung von Event-Driven-Architecture, Standard-APIs und KI entsteht eine Integrationslandschaft, die nicht nur verbunden, sondern lernfähig und adaptiv ist. Unternehmen gewinnen Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Transparenz und schaffen die Grundlage für zukünftige autonome Prozesse und intelligente Wertschöpfung.

9. Wege zur Modernisierung der Integrationslandschaft

Die Modernisierung der Integrationslandschaft ist ein zentraler Bestandteil jeder S/4HANA-Transformation. Dabei stellt sich häufig die Frage, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. Die Antwort hängt stark von Architektur, Projektvorgehen und organisatorischer Reife ab. Dennoch lassen sich drei typische Zeitpunkte unterscheiden, die jeweils unterschiedliche Vorteile und Herausforderungen mit sich bringen.

Moderne Integrationsmodernisierung bedeutet dabei nicht nur den Wechsel von PI/PO auf die SAP Integration Suite, sondern auch die Einführung neuer Architekturprinzipien wie API-First, Event-Driven-Design, standardisierte Integrationspakete und zentrale Governance. Der Zeitpunkt der Modernisierung beeinflusst daher maßgeblich, wie schnell Unternehmen von diesen Vorteilen profitieren und wie stark sie den Transformationsverlauf stabilisieren.

Startzeitpunkt Integrationsmodernisierung im Verhältnis zur S4 Transformation

Unabhängig davon, wann die Modernisierung erfolgt, bleibt sie ein zentraler Erfolgsfaktor der S/4HANA-Transformation. Eine moderne Integrationsarchitektur sorgt für klare Zuständigkeiten, weniger Abhängigkeiten, höhere Geschwindigkeit und eine verlässliche Basis für API-basierte, ereignisgesteuerte und cloudfähige Prozesslandschaften.

Durch die Kombination aus klarer Integrationsstrategie, technologischem Fortschritt und methodischen Leitplanken wie ISA-M entsteht eine Integrationsplattform, die flexibel, erweiterbar und zukunftssicher ist.

10. Methodik und Werkzeuge für die Migration von PI/PO

Die Ablösung von SAP PI/PO ist ein unvermeidbarer Schritt auf dem Weg zu einer modernen Integrationslandschaft. Der Wechsel zur SAP Integration Suite ist jedoch nicht nur ein technischer Plattformwechsel, sondern eine strukturelle Modernisierung, die Architektur, Governance und Entwicklungspraxis betrifft. Damit diese Migration effizient, risikoarm und zukunftssicher gelingt, braucht es ein methodisches Vorgehen und die passenden Werkzeuge.

Ein mehrstufiger Transformationsansatz, der sowohl die strategische Zielarchitektur als auch die operative Umsetzung berücksichtigt, ist empfehlenswert. Der Prozess beginnt mit einer vollständigen Analyse der bestehenden Integrationslandschaft, führt über eine klare Kategorisierung der Schnittstellen bis hin zu einer Umsetzung, die Architekturprinzipien wie API-First und Clean Core konsequent berücksichtigt.

Im Folgenden fokussiere ich mich auf den Startpunkt der Transformation, die Analysephase.

  • Analysephase (Bewertung & Kategorisierung)
  • Zielarchitektur & Designphase
  • Wellenplanung & technische Migration
  • Test, Qualitätssicherung & Übergang
  • Betrieb & kontinuierliche Verbesserung

10.1 Bewertungs- und Kategorisierungsphase

Diese Phase bildet das Fundament jeder erfolgreichen Migration. Sie schafft Transparenz über die Schnittstellenlandschaft und stellt sicher, dass Modernisierung nicht als „1:1-Kopie“ der Vergangenheit endet, sondern echte Architekturverbesserungen erzeugt.

Ziele der Phase:

  • Transparenz über Umfang, Struktur und technische Altlasten schaffen Viele PI/PO-Landschaften sind über Jahre gewachsen. Eine strukturierte Analyse zeigt, welche Schnittstellen kritisch sind, welche veraltet sind und wo Konsolidierung möglich ist.
  • Schnittstellen nach Modernisierungspotenzial klassifizieren Nicht jede Schnittstelle muss neu erfunden werden. Die Kategorisierung schafft Klarheit darüber, wo Modernisierung notwendig ist und wo technische Migration ausreicht.
  • Entscheidungsgrundlage für Aufwand, Planung und Wellenstruktur schaffen Die Migration wird dadurch planbar. Das Unternehmen weiß, welche Schnittstellen zuerst migriert werden müssen und welche in späteren Wellen folgen können.
  • Vermeidung von unkontrollierten „Lift-and-Shift“-Migrationen Lift-and-Shift überträgt technische Schulden in die neue Plattform. Die Analysephase stellt sicher, dass Modernisierung bewusst gesteuert wird.
  • Identifikation von Szenarien, die durch Standard-APIs, Events oder Content-Pakete ersetzt werden können Dadurch sinken Implementierungsaufwände und es entsteht eine Standard-Architektur, die langfristig besser wartbar ist.

Migrationskategorien:

Der Einsatz der SAP Integration Suite ermöglicht vier grundsätzliche Migrationsstrategien. Jede davon hat eine klare Funktion und adressiert unterschiedliche Anforderungen.

A. As-Is (1:1-Migration ohne funktionale Änderungen)

Hier werden Schnittstellen nahezu unverändert in die SAP Integration Suite übertragen.

Wann geeignet:

  • gut dokumentierte, stabile Schnittstellen
  • keine erwarteten Prozessänderungen
  • klar definierte Protokolle (z. B. HTTPS, SFTP)

Vorteil: schnelle und risikoarme Umsetzung Nachteil: keine Modernisierung, technische Schulden bleiben bestehen

B. Technology-Fit (technische Modernisierung)

Die Funktion bleibt gleich, aber die technische Umsetzung wird modernisiert.

Beispiele:

  • Umstellung von RFC/IDoc auf OData oder REST
  • Ablösung veralteter Mappings (Java ↦ Groovy/XSLT)
  • Einführung von Routing-/Mapping-Trennung
  • Nutzung von SAP Best-Practice-Patterns

Vorteil: Zukunftssicherheit ohne großen Prozessaufwand Nachteil: etwas höherer Aufwand als As-Is, aber deutlich besserer Return-on-Invest

Dies ist die häufigste und sinnvollste Kategorie bei unkritischen Schnittstellen.

C. Redesign (fachliche und technische Neugestaltung)

Hier wird die Schnittstelle neu gedacht. Sowohl funktional als auch technisch.

Anwendungsfälle:

  • Harmonisierung mehrerer Schnittstellen zu einer API
  • Ablösung monolithischer Schnittstellen
  • Umsetzung eventbasierter Architekturen
  • Einführung neuer Prozesslogik oder Datenmodelle

Vorteil: maximale Modernisierung und langfristige Kosteneffizienz Nachteil: hoher Aufwand, intensive Abstimmung mit Fachbereichen erforderlich

Diese Kategorie entfaltet das volle Potenzial moderner Integrationsarchitekturen.

D. Replace (Ersatz durch Standardintegration)

Hier findet keine Migration statt. Die alte Schnittstelle wird durch SAP-Standard ersetzt.

Möglichkeiten:

  • Standard-APIs aus S/4HANA
  • Business Events
  • Content Packages (z. B. für Salesforce, Ariba, SuccessFactors)
  • Trading Partner Management
  • Integration Advisor

Vorteil: sehr geringer Implementierungsaufwand, hohe Zukunftssicherheit Nachteil: abhängig vom verfügbaren SAP-Standard. Replace ist die effizienteste Form der Modernisierung.

10.2 Werkzeuge zur Unterstützung der Migration

Der Erfolg einer PI/PO-Migration hängt stark von den eingesetzten Werkzeugen ab. SAP und Partner stellen inzwischen eine Vielzahl an Tools bereit, die Transparenz schaffen, Automatisierung ermöglichen und Risiken reduzieren.

  • SAP Migration Assessment
  • Testautomatisierung
  • Edge Integration Cell
  • Wiederverwendbare Patterns
  • Standards für Cloud-Integration

Durch ein strukturiertes Vorgehen entsteht eine Integrationslandschaft, die technisch modern, cloudfähig und konsequent standardisiert ist. Sie bietet volle Transparenz über Schnittstellen, lässt sich flexibel skalieren und bleibt langfristig wartbar. Damit wird die Migration nicht zu einem reinen Plattformwechsel, sondern zu einem zentralen Baustein der Modernisierung der gesamten Unternehmensarchitektur.

11. Governance und Operating Model

Eine moderne Integrationsarchitektur entfaltet ihren Wert nur dann vollständig, wenn sie in ein klar definiertes Governance- und Operating Model eingebettet ist. Ohne strukturierte Verantwortlichkeiten, einheitliche Standards und transparente Prozesse drohen Integrationslandschaften schnell wieder zu fragmentieren oder unkontrolliert zu wachsen. Governance sorgt dafür, dass Architekturprinzipien eingehalten, Schnittstellen konsistent entwickelt und betrieben werden und die Integrationsstrategie langfristig tragfähig bleibt.

Ein stabiles Operating Model stellt sicher, dass die technische Basis nicht nur funktioniert, sondern kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert wird. Es verbindet Rollen, Verantwortlichkeiten, Standards und Tools zu einem harmonischen Gesamtbild, das Modernisierung und tägliche Betriebsanforderungen gleichermaßen unterstützt.

Zentrale Elemente:

  • Integration CoE Ein Integration CoE definiert Standards, Architekturprinzipien und Best Practices. Es dient als zentrale Anlaufstelle für Fragen rund um Integration, unterstützt Projekte, stellt Know-how bereit und sichert Qualität in Design und Umsetzung. Ein CoE schafft Orientierung für Entwickler, Projektteams und Fachbereiche und bildet damit das organisatorische Rückgrat der Integrationsstrategie.
  • API Governance Mit dem zunehmenden API-Einsatz wächst die Bedeutung einer klaren API-Governance. Sie regelt Versionierung, Lifecycle-Management, Sicherheitsrichtlinien, Naming Conventions und Publikationsprozesse. Eine strukturierte API-Governance verhindert redundante APIs, sorgt für Transparenz im API-Katalog und stellt sicher, dass APIs wiederverwendbar und konsistent sind.
  • SAP Cloud ALM SAP Cloud ALM bildet den operativen Kern für Monitoring, Alerting und Prozessüberwachung. Es ermöglicht Transparenz über technische Schnittstellenfehler, End-to-End-Prozesse und Systemzustände. Cloud ALM unterstützt zudem DevOps-orientierte Vorgehensweisen, da Entwicklung, Betrieb und kontinuierliche Verbesserung auf einer gemeinsamen Plattform zusammenlaufen.
  • LeanIX LeanIX unterstützt das Architekturmanagement, indem es einen Überblick über die gesamte Applikationslandschaft, Schnittstellen, Verantwortlichkeiten und Abhängigkeiten liefert. Dadurch wird sichtbar, wo Redundanzen bestehen, welche Systeme kritisch sind und wie sich Integrationsentscheidungen langfristig auswirken. LeanIX dient als strategischer Bauplan, der hilft, die Architektur konsistent zu halten und zukünftige Änderungen frühzeitig zu erkennen.
  • ISA-M: Integration Solution Advisory Methodology ISA-M bietet eine methodische Grundlage für strategische Integrationsentscheidungen. Die Methodik beschreibt Integrationsstile, Architekturprinzipien, Best Practices und Entscheidungsmodelle. ISA-M hilft Teams dabei, in komplexen Landschaften Klarheit zu schaffen und Technologieentscheidungen auf eine konsistente, wiederholbare Basis zu stellen.

Ein funktionierendes Governance- und Operating Model sorgt für Sicherheit, Transparenz und Konsistenz in der gesamten Integrationslandschaft. Es verhindert unnötige Individualentwicklungen, sichert Qualität und reduziert langfristige Betriebsaufwände. Gleichzeitig schafft es einen Rahmen, in dem Innovation möglich ist, ohne die Architektur zu gefährden.

Durch klare Verantwortlichkeiten und definierte Standards wird Integration zu einem verlässlichen, gut steuerbaren Teil der Unternehmensarchitektur – und nicht zu einem unberechenbaren Risikofaktor. Governance bildet damit den strukturellen Rahmen, der moderne Integrationsarchitektur erst dauerhaft tragfähig und handhabbar macht.

12. Fazit

Moderne Integration ist ein zentraler Baustein jeder S/4HANA-Transformation. Sie verbindet Systeme, Prozesse und Daten zu einem harmonischen Gesamtbild und schafft damit die Voraussetzung für eine flexible, skalierbare und zukunftsfähige Unternehmensarchitektur. In einer Zeit, in der Geschäftsmodelle, Technologien und Plattformen sich schneller verändern als je zuvor, wird Integration zur entscheidenden Schicht, die Stabilität und Innovation miteinander vereint.

Eine zeitgemäß gestaltete Integrationslandschaft ermöglicht es Unternehmen, neue Lösungen einzubinden, bestehende Prozesse zu optimieren und Daten in Echtzeit zu nutzen. Gleichzeitig unterstützt sie Clean-Core-Prinzipien, entlastet den ERP-Kern und reduziert technische Komplexität. Integration wirkt damit weit über die reine Systemanbindung hinaus: Sie schafft ein Architekturfundament, auf dem Automatisierung, KI und digitale Geschäftsmodelle aufbauen können.

Durch API-first-Design, Event-Driven-Architecture, Plattformservices wie SAP BTP und klare Governance-Strukturen entsteht eine Architektur, die kontinuierlich weiterentwickelt werden kann, ohne an Stabilität zu verlieren. Moderne Integration wird dadurch nicht nur zum Verbindungselement, sondern zum strategischen Bestandteil einer nachhaltigen digitalen Transformation.

Autor: Daniel Fröhler

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