Diese Phase bildet das Fundament jeder erfolgreichen Migration. Sie schafft Transparenz über die Schnittstellenlandschaft und stellt sicher, dass Modernisierung nicht als „1:1-Kopie“ der Vergangenheit endet, sondern echte Architekturverbesserungen erzeugt.
Ziele der Phase:
- Transparenz über Umfang, Struktur und technische Altlasten schaffen Viele PI/PO-Landschaften sind über Jahre gewachsen. Eine strukturierte Analyse zeigt, welche Schnittstellen kritisch sind, welche veraltet sind und wo Konsolidierung möglich ist.
- Schnittstellen nach Modernisierungspotenzial klassifizieren Nicht jede Schnittstelle muss neu erfunden werden. Die Kategorisierung schafft Klarheit darüber, wo Modernisierung notwendig ist und wo technische Migration ausreicht.
- Entscheidungsgrundlage für Aufwand, Planung und Wellenstruktur schaffen Die Migration wird dadurch planbar. Das Unternehmen weiß, welche Schnittstellen zuerst migriert werden müssen und welche in späteren Wellen folgen können.
- Vermeidung von unkontrollierten „Lift-and-Shift“-Migrationen Lift-and-Shift überträgt technische Schulden in die neue Plattform. Die Analysephase stellt sicher, dass Modernisierung bewusst gesteuert wird.
- Identifikation von Szenarien, die durch Standard-APIs, Events oder Content-Pakete ersetzt werden können Dadurch sinken Implementierungsaufwände und es entsteht eine Standard-Architektur, die langfristig besser wartbar ist.
Migrationskategorien:
Der Einsatz der SAP Integration Suite ermöglicht vier grundsätzliche Migrationsstrategien. Jede davon hat eine klare Funktion und adressiert unterschiedliche Anforderungen.
A. As-Is (1:1-Migration ohne funktionale Änderungen)
Hier werden Schnittstellen nahezu unverändert in die SAP Integration Suite übertragen.
Wann geeignet:
- gut dokumentierte, stabile Schnittstellen
- keine erwarteten Prozessänderungen
- klar definierte Protokolle (z. B. HTTPS, SFTP)
Vorteil: schnelle und risikoarme Umsetzung Nachteil: keine Modernisierung, technische Schulden bleiben bestehen
B. Technology-Fit (technische Modernisierung)
Die Funktion bleibt gleich, aber die technische Umsetzung wird modernisiert.
Beispiele:
- Umstellung von RFC/IDoc auf OData oder REST
- Ablösung veralteter Mappings (Java ↦ Groovy/XSLT)
- Einführung von Routing-/Mapping-Trennung
- Nutzung von SAP Best-Practice-Patterns
Vorteil: Zukunftssicherheit ohne großen Prozessaufwand Nachteil: etwas höherer Aufwand als As-Is, aber deutlich besserer Return-on-Invest
Dies ist die häufigste und sinnvollste Kategorie bei unkritischen Schnittstellen.
C. Redesign (fachliche und technische Neugestaltung)
Hier wird die Schnittstelle neu gedacht. Sowohl funktional als auch technisch.
Anwendungsfälle:
- Harmonisierung mehrerer Schnittstellen zu einer API
- Ablösung monolithischer Schnittstellen
- Umsetzung eventbasierter Architekturen
- Einführung neuer Prozesslogik oder Datenmodelle
Vorteil: maximale Modernisierung und langfristige Kosteneffizienz Nachteil: hoher Aufwand, intensive Abstimmung mit Fachbereichen erforderlich
Diese Kategorie entfaltet das volle Potenzial moderner Integrationsarchitekturen.
D. Replace (Ersatz durch Standardintegration)
Hier findet keine Migration statt. Die alte Schnittstelle wird durch SAP-Standard ersetzt.
Möglichkeiten:
- Standard-APIs aus S/4HANA
- Business Events
- Content Packages (z. B. für Salesforce, Ariba, SuccessFactors)
- Trading Partner Management
- Integration Advisor
Vorteil: sehr geringer Implementierungsaufwand, hohe Zukunftssicherheit Nachteil: abhängig vom verfügbaren SAP-Standard. Replace ist die effizienteste Form der Modernisierung.